Seit mehreren Jahren herrscht Krieg um das kaukasische Berg-Karabach, ein mehrheitlich von Armeniern bewohntes, autonomes Bergland im islamischen Aserbeidschan. Unversöhnlich stehen sich an dieser Nahtstelle zwischen Orient und Okzident zwei Völker gegenüber. Deren nationale Gegensätze waren einst in der Eistruhe des sowjetischen Imperiums eingefroren, nun sind sie offen ausgebrochen. Nicht nur einer der vielen Nationalitätenkonflikte, die sich in der östlichen Hemisphäre mehren, sondern die neuerliche Eruption von Energien, von Emotionen und Spannungen, die das armenische Volk schon immer heimgesucht und zum Opfer im Spiel der jeweiligen Weltmächte gemacht haben.
Grausamster Höhepunkt in dieser Schicksalsgeschichte war der Völkermord der Türken an den Armeniern 1915, ein in seiner Planmäßigkeit und Brutalität nie zuvor erlebtes Massaker, in dem ein großer Teil des Volkes und seines nationalen Besitzes vernichtet worden ist. Kein Genozid ist von der Weltöffentlichkeit mit so viel Beharrlichkeit totgeschwiegen worden.
Wolfgang Gust hat diesen ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts auf der Basis wissenschaftlicher Forschung und erst jüngst ausgewerteter Archivquellen rekonstruiert. Machtbesessenheit, rassistische Verblendung, ideologischer Radikalismus und kollektiver Fremdenhaß waren die Triebkräfte, Mitwisserschaft und Mitwirkung des im Ersten Weltkriegs mit dem Osmanischen Reich verbündeten Deutschland und Halbherzigkeit der anderen Großmächte beförderten die Ausführung dieses Genozids.
Das Buch klärt nicht nur über ein schreckliches Kapitel in der mörderischen Geschichte unseres Jahrhunderts auf, sondern auch über die Mechanismen und Energien von Haß und Gewalttätigkeit, die auch heute wieder aktiv sind und unbeherrschbar zu bleiben drohen, wenn Geschichte dem Vergessen und der Verantwortungslosigkeit anheimfällt.
Wolfgang Gust, geboren 1935 in Hannover, Studium der Romanistik und Betriebswirtschaftslehre, ist seit 1965 als Redakteur und Ressortleiter beim SPIEGEL tätig.
Buchrückseite:
Offener und latenter Rassismus bricht sich Bahn – in Deutschland und in anderen Ländern. Überwunden geglaubter nationalistischer Fanatismus entfesselt Völkermorde, ob in Bosnien, in Kambodscha oder am Amazonas. Was heute vor den Augen der Weltöffentlichkeit geschieht und zum erstenmal in der Geschichte internationale Interventionen und Sanktionen herausfordert, ist am Anfang unseres Jahrhunderts beharrlich totgeschwiegen worden: der Völkermord an den Armeniern 1915.
Wolfgang Gust hat das ganze Drama dieses Genozids anhand deutscher, amerikanischer und türkischer Quellen erstmals lückenlos rekonstruiert. Sein Buch klärt nicht nur über ein Kapitel in der mörderischen Geschichte des 20. Jahrhunderts auf, sondern auch über die Mechanismen und Energien von ideologischem Radikalismus, Haß und Gewalttätigkeit, die auch heute wieder aktiv sind und unbeherrschbar zu bleiben drohen, wenn Geschichte dem Vergessen und der Verantwortungslosigkeit anheimfällt.
[Anmerkung: Klappentext und Rückseite eines Buches werden traditionell von dem jeweiligen Verlag eigenverantwortlich formuliert.]