Durch ein kleines, aus Versehen unbewacht gebliebenes Tor drangen am Morgen des 27. Mai 1453 Soldaten aus dem Heer Sultan Mehmeds II. in Konstantinopel ein: Die Metropole des Byzantinischen Reichs fiel in die Hände der osmanischen Eroberer. Dieser Sieg am Goldenen Hörn war nicht der erste der Osmanen über die Christen, doch er war ein symbolträchtiger Schritt auf dem Weg des Osmanischen Reichs zu einem der bedeutendsten Imperien der Weltgeschichte. Wolfgang Gust beschreibt diesen Weg mit ebenso genauer Kenntnis der historischen Quellen wie Sinn für eine farbige Erzählweise. Von den nomadischen Turkstämmen des fünften Jahrhunderts bis zur Flucht des letzten Sultans aus Istanbul im Jahr 1922 spannt er den Bogen seiner Darstellung.
Dazwischen liegt die wechselvolle Geschichte der Konsolidierung, Expansion und der schließlichen Auflösung des letzten islamischen Imperiums, das zur Zeit seiner größten Ausdehnung Südosteuropa, Südrußland, Westasien, den Nahen Osten, Ägypten und große Teile der arabischen Halbinsel und Nordafrikas umfaßte. Eine Geschichte, die die politischen Entwicklungen im östlichen Europa und in Kleinasien, im Nahen und Mittleren Osten entscheidend mitprägte. Nicht zuletzt gilt: Wer den historischen Hintergrund aktueller Konflikte in diesen Regionen verstehen möchte, muß sich die Machtkämpfe innerhalb des Osmanischen Reichs, mit seinem Gemisch von Völkern und Religionen, vor Augen führen. Gusts Buch entwirft deshalb nicht nur ein eindrucksvolles historisches Panorama, sondern schärft auch die Wahrnehmung für politische Krisenherde am Ende des 20. Jahrhunderts.
Wolfgang Gust, geboren 1935 in Hannover, war von 1965 bis 1993 Redakteur, Auslandskorrespondent und Ressortleiter beim SPIEGEL. Im Hanser Verlag erschien: Der Völkermord an den Armeniern (1993).
Buchrückseite:
Von den nomadisierenden Turkstämmen des fünften Jahrhunderts über die Zeit der höchsten Machtentfaltung bis zum »kranken Mann am Bosporus«: Wolfgang Gusts ebenso detailgenaue wie farbig erzählte Geschichte des Osmanischen Reichs beschreibt Aufstieg und Zerfall des islamischen Weltreichs, das die politische Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten, im östlichen Europa und in Kleinasien entscheidend prägte.
[Anmerkung: Klappentext und Rückseite eines Buches werden traditionell von dem jeweiligen Verlag eigenverantwortlich formuliert.]